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nils_lehmann

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Spitzname: Nille  

Geboren am: 06.06.1968  

Geboren in: Erlangen  

Nationalität: Deutsch  

Beruf: Architekt  

Vereine: Solingen, Wallau/Massenheim, Nettelstedt, Rheinhausen, Großwallstadt, Stuttgart, Hemsbach , HSG Düsseldorf (1. Trainerstation, aktuell)

Nils, du bist Trainer in Düsseldorf, trainierst also 1. Männer-Bundesliga. Bist du schon immer Trainer oder hast du auch hochklassig gespielt?

Habe bis zur letzten Saison noch aktiv in der gleichen Mannschaft gespielt. Letztes Jahr noch oder schon als Spielertrainer.

Wie bist du zum Trainer geworden?

Reiner Zufall. Ich hatte mal meine B-Lizenz gemacht, weil ich diese als Prämie für die EM-Bronze-Medaille 1998 vom DHB bekommen habe. Das hatte mir schon Spass gemacht. Zum Trainer bin ich aber erst geworden, als uns nach unserem Aufstieg 2004 überraschend unser damaliger Trainer Richard Ratka verlassen hatte. Man fragte mich, ob ich das Amt des Spielertrainers übernehmen würde. Nach kurzem überlegen habe ich zugestimmt.

Kannst du als Spieler oder Trainer nennenswerte Erfolge verzeichnen? Welche Augenblicke sind dir von deiner handballerischen Karriere besonders in Erinnerung geblieben?

Als Trainer war der Klassenerhalt letzte Saison sicherlich ein Erfolg, da wir den 2. kleinsten Etat der Liga haben und uns wohl jeder schon als den sicheren Absteiger Nr. 1 angesehen hat.

Als Spieler war sicherlich die EM Bronzemedaille von 1998 der grösste Erfolg. Ausserdem bin ich mit insgesamt 4 Vereinen in die erste Bundesliga aufgestiegen. SG Stuttgart Scharnhausen1990, OSC Rheinhausen 1995, Sportring Solingen 2000 und zuletzt Hsg Düsseldorf 2004.

Hältst du es für sinnvoll, dass große Talente mehr Förderung erhalten als „Kämpfer“?*

Nicht immer schaffen es die grossen Talente. Sicherlich muss beides vorhanden sein. Talent alleine genügt nicht! Wenn einer den unbedingten Willen hat, dann hat er mehr Chancen als ein Talent, den Sprung in die erste oder zweite Bundesliga zu schaffen.

Wie baust du junge Spieler/ Spielerinnen in dein Team ein? Erhalten sie einen Extra-Status oder werden sie behandelt wie alle anderen auch? Manche Jugendliche können ja noch nicht so gut mit Kritik umgehen wie routinierte Spieler/ Spielerinnen.

Sicherlich haben junge Spieler bei mir mehr Freiheiten als ein erfahrener Spieler. Sie dürfen und müssen Fehler machen, um weiter zu kommen, um daraus zu lernen. Wichtig ist, dass sie Mut und Kaltschnäuzigkeit und Frechheit mitbringen. Grundsätzlich muss aber jeder Spieler individuell behandelt werden. Jeder hat einen anderen Charakter und jeder geht unterschiedlich mit Kritik um.

Ist es innerhalb einer Mannschaft schwierig, alle Spieler gleich zu behandeln, sprich: Hat man als Trainer/ Trainerin seine Lieblinge, die man unbewusst etwas bevorzugt?

Das sollte man tunlichst vermeiden, aber ganz ausschliessen lässt es sich sicherlich nicht. Wie gesagt, jeder Spieler braucht eine individuelle Behandlung. Der eine braucht mehr Streicheleinheiten,der andere benötigt immer wieder mal einen Tritt in den Hintern. :-) 

Was hältst du von Sonderaufgaben für junge Spieler/ Spielerinnen wie Ballträger oder Bakke/Harz-Wart?

Davon halte ich sehr viel. Jeder Spieler muss in einer Mannschaft eine Rolle übernehmen und dazu gehören auch die Verantwortlichkeiten ausserhalb des Spielfeldes. Für mich ist die soziale Verantwortung des einzelnen sehr wichtig und durch solche Aufgaben bekommt jeder auch ein bisschen etwas für das Leben mit. Je älter man wird, desto verantwortungsvoller werden die Aufgaben. Ich denke, ein gutes System, um eine soziale Denke zu schulen.:-)

Hast du schon einmal eine Jugendmannschaft trainiert? Wo liegt der Hauptunterschied zwischen Jugend- und Erwachsenen-Mannschaften? Und zwischen Männer- und Frauen-Teams?

Ich habe Jugendmannschaften nur vereinzelt trainiert, das heisst nie über einen längeren Zeitraum, sondern nur zu Show-Trainings-Zwecken. Aber schon dort habe ich bemerkt, dass es ungleich schwerer ist, eine Jugendmannschaft zu trainieren, wo man den Spielern erst mal viele Grundlagen beibringen muss, die bei den Herren vor allem in der 1. Bundesliga zum Alltag gehören. Ich ziehe meinen Hut vor allen Jugend-Trainern, die diese Aufgabe meistens unentgeldlich verrichten, aber mit nicht weniger Einsatz. Eine Frauen-Mannschaft ist psychologisch noch schwieriger zu führen als eine Herren-Mannschaft, da man sehr viel mehr auf die kleinen Zwischenmenschlichen Nuancen achten muss! Ich habe jedoch noch nie eine Frauen-Mannschaft aktiv trainiert, das ist also nur eine Vermutung von mir!

Bist du als Trainer manchmal genervt von der eigenen Mannschaft, den Gegnern, den Schiedsrichtern oder dem Publikum? Wie gehst du mit solchen Situationen um?

Natürlich ist man manchmal genervt, von all den erwähnten Dingen. Ich kann aber relativ schnell wieder abschalten und mich auf die wirklich wichtigen Dinge des Lebens konzentrieren. Man darf nie vergessen, dass das ganze immer noch ein Spiel ist und wir alle diesen Sport ausüben, weil er uns ursprünglich mal Spass gemacht hat. Viel wichtiger sind doch Gesundheit und Lebensfreude, Familie und Freunde .

Was würdest du versuchen, an Jugendspielern zu spezialisieren? Eher die Dynamik trainieren oder die Ausdauer, Kraft? Welche speziellen(1:1-)Bewegungen?

Bei jungen Spielern sollte man meiner Meinung nach sicherlich zuerst die Dynamik trainieren. Ausdauer und Kraft sind sicherlich auch wichtige Elemente, kommen aber im Laufe eines Handballerlebens nach und nach von alleine. Im Jugendbereich sollte die individuelle motorische Schulung im Mittelpunkt stehen: Thema Handlungsschnelligkeit!

Unter welchem Motto lässt du dein Team trainieren und unter welchem Motto würdest du Jugendmannschaften trainieren lassen?

Ich lasse immer unter dem Spass-Motto trainieren. Jeder sollte am Training Spass haben, auch wenn man sich mal quälen muss, sollte sich jeder immer wieder vor Augen halten, weswegen er trainiert: weil uns der Sport Handball Spass macht!

Was würdest du jugendlichen Handballern/ Handballerinnen raten?

Ohne Fleiss kein Preis! Alles Talent wird verschwendet, hat man nicht die nötige Einstellung zu seinem Sport. Wenn möglich sollte man sich immer mit besseren messen. Geht so früh wie möglich zum Training bei aktiven Mannschaften, fragt ob Ihr mittrainieren dürft. Seid nie selbstzufrieden, sondern steckt Euch immer wieder neue Ziele. Messt Euch nicht mit der Kreisklasse sondern mit Weltklasse. Nehmt Euch Vorbilder und versucht ihnen nachzueifern. Bei uns trainieren regelmässig junge Talente mit, die im 2. Jahr B-Jugend spielen. Für diese wird der Sprung in die aktiven Mannschaften nur ein Klacks sein.